Mölln – Eine weite Wiese, ein Acker, Feldwege und meilenweit kein Haus – so sah es damals vor etwas mehr als 50 Jahren in der heutigen Bürgermeister-Oetken-Straße in Mölln aus. Für die Bevölkerung, Stadtväter und -planer genau der richtige Ort, um in unmittelbarer Nähe zum alten Krankenhaus, das eigens für schwangere Ledige ebenfalls am Ende der Stadt gebaut worden war, die Möllner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen zu errichten. Irgendwo im Nichts fand sich auch ein passender Bauplatz für das Don Bosco-Haus – auf der anderen Seite der ach so lebhaften Stadt Mölln … abseits der Gesellschaft. Unmündig, ohne Rechte und ohne Schulpflicht, starteten 1973 insgesamt 28 Personen in ein völlig neues Umfeld und in ihr Arbeitsleben. Nach 52 Jahren ist immer noch einer der ersten Kollegen, die in den Möllner Werkstätten eine Aufgabe fanden, in „Lohn und Brot“, obwohl er das Rentenalter bereits erreicht hat. Aber er darf bleiben, solange es irgend geht, denn trotz Inklusion sind Menschen mit Beeinträchtigungen körperlicher oder geistiger Art immer noch nicht in der Mitte der Bevölkerung angekommen. Sie finden jedoch im Lebenshilfewerk ihr ganz persönliches, soziales Umfeld – und dieses zu verlassen, um die Rente zu genießen, würde sie im schlechtesten Fall vor unlösbare Probleme stellen. Stephan Krüger, Ansprechpartner für die berufliche Bildung und Arbeitsplätze sowie allen Fragen rund um die Werkstätten des Lebenshilfewerks, freute sich sichtlich über das Interesse der Anwesenden. Regelmäßig bietet der Vorstand der wirtschaftlichen Vereinigung Mölln Mitgliedern die Möglichkeit, im Rahmen von Betriebsbesichtigungen oder Präsentationen und Vorträgen Wissen anzueignen oder einfach einmal hinter die Kulissen von Wirtschaftsunternehmen zu blicken. An diesem Freitag im November drehte sich für die Teilnehmer allerdings alles um exklusive Einblicke in eine inklusive Welt, die sie so nicht erwartet hatten. Ob Feuerkörbe aus Metall, die in der eigenen Schlosserei gefertigt werden, das Verpacken von leckeren Keksen oder die vollausgestattete Tischlerei: Die dort Beschäftigten sind, wie Krüger betont, Kollegen und allesamt Profis an ihren Geräten – und das vielfach seit mehreren Jahrzehnten. 879 Menschen mit Beeinträchtigungen verbringen ihre Tage in den verschiedenen Werkstätten, die sich im Kreis Herzogtum Lauenburg oder beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern befinden, circa 200 davon allein in Mölln. Tausende Essen verlassen täglich die Küchen, abertausende von Gummidichtringen werden verpackt und wer weiß wie viele Kilogramm Kekse eingetütet oder Kartonagen gefaltet.  „Wir fragen uns immer wieder, warum uns keiner kennt – und das als eines der größten Unternehmen Möllns!“, so Stephan Krüger, der selbst im Metallbau beschäftigt war und nicht nur aufgrund der ethischen Grundsätze den Mitarbeitern der Schlosserei auf Augenhöhe begegnet. Tatsächlich sind die Türen für interessierte Bürgerinnen und Bürger jederzeit geöffnet, es werden für Privat- und Firmenkunden Angebote erstellt und Einzelstücke oder auch größere Aufträge gefertigt. „Wenn die Kapazitäten allerdings begrenzt sind, verweisen wir natürlich an andere Unternehmen, die Großaufträge mit ihrer vorhandenen Logistik erledigen können. Aber kommen Sie doch einfach einmal zu uns und wir besprechen ihr Anliegen – und wir alle freuen uns über Ihren Besuch!“, erklärt Krüger abschließend.